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Neue Hoffnung

Neue Hoffnung für die Erde -
Perspektiven für eine Ökologie der Lebendigkeit

von Dipl. Ing. Merete Mattern (ehem. Prof. USA)

erschienen in der tattva viveka Nr. 6 (1997)

Merete Mattern arbeitet seit Jahrzehnten an einer ökologischen und philosophischen Neuorientierung der Gesellschaft. In diesem Aufsatz beschreibt sie die grundlegenden philosophischen Prämissen ihrer Vision einer neuen Menschheitskultur, die sich in einem ganzheitlichen und integralen Begriff der Ökologie ausdrückt. Zur Zeit bildet sich auf dieser Grundlage ein ökologisch-spiritueller Weltverbund namens „Lotus“, der neuartige Wege ökologischer Sanierung und Ökonomie sowie der Forschung und Lehre beschreitet.

 

Zur Geschichte

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begann in den Industrienationen der westlichen Hemisphäre eine Neuorientierung. Diese enthielt den größten wissenschaftlichen Aufbruch der Nachkriegsgeschichte und führte zu vielen sozialen Innovationen. Diese Neuorientierung stellt einen Wendepunkt in der gesellschaftlichen Entwicklung dar. Sie war der Auftakt zu weltweiten neuen Bewegungen: der Ökologiebewegung, der Frauenbewegung und der Friedensbewegung.

Gegenwärtig leben wir wieder in einer konservativen Zeit mit rückwärtsorientierten Werten. Damals war mehr Zukunftsglauben und Hoffnung vorhanden als heute. Die Bewegungen, die damals begannen, gehören in die Geschichte der Befreiungsbewegungen. Es war ein Ausbruch in neue gesellschaftliche Konzepte der Selbstversorgung in kleineren geschlossenen Kreisläufen, in Modellen zu autonom-autarken Häusern, Gärten und Städten. Es wurde mehr Bürgernähe, Selbsthilfe, Befreiung und Kreativität an der Basis gefordert. Die Natur sollte befreit und im ökologischen Sinne entgiftet und nicht mehr länger ausgebeutet werden. Es veränderten sich das Bewußtsein und das Verhalten vieler Menschen, und in diesem Zusammenhang entstanden kleine Selbstbautechnologien, Minisolarkollektoren, Gewinnung von Biogas, Anwendung von passiv und aktiv gewonnener Solarenergie, Energiespeicherung, Windräder, freie Energieforschung, Bauökologie, Radiästhesie, Geomantie und ökologische Siedlungen. Die ökologischen und die Friedensbewegungen und der Protest gegen Atomkraftwerke gingen Hand in Hand.

Die Gesellschaft GEO-AEON hat in dieser Zeit ein ganzheitliches ökologisches Gesellschaftsmodell für die Zukunft entwickelt und vorgestellt. Der damalige Arbeitsbereich lag auf dem Gebiet der Stadtökologie und Aufklärung. Die Themen gingen in Unterricht und Lehre mit ein, und es wurde intensiv am Aufbau der grünen Bewegung gearbeitet. Seitdem wurde die Forschung zu folgenden Themen vertieft: Gesundheit und Heilen, neue Technologien, Wasserforschung, Bau-Bionik, Konzeptentwicklung zur Umstellung der Industrieproduktion, Umstellung in allen Bereichen der Wirtschaft einer „Ökologischen Modellregion“ mit Dörfern, Städten, Fabrikations- und Verkehrssystemen. Die Schwerpunkte liegen heute auf Klimaforschung, Waldanbau, Wassergewinnung und -regulation, Bodenentgiftung und Einführung einer neuen Landwirtschaft mit Intensivgärten und nachwachsenden Rohstoffen als Basis für alle anderen Maßnahmen.

Es gilt nun alle diese vertieften Erkenntnisse in einem zukünftigen Aufklärungsschritt zu verbreiten und mit einer aktiven Umsetzung dieser Ziele zu beginnen. Zu diesem Zweck wurde ein Organisationsmodell mit einem Aktionsplan zur Realisierung entwickelt, der schrittweise vorgestellt und von Bereich zu Bereich realisiert werden soll: der Lotus-Verbund.

 

Überblick

Daß die äußere, irdische Zeit so schnell verrinnen würde und wir 1997 fast schon vor dem Stichtag zum Jahr 2000 stehen, mag die Art und Weise der folgenden Betrachtungen verständlicher machen. Was betreiben wir Menschen wirklich? Die Alltagspolitik unserer Regierungen ist "Oberflächenpolitik" (surface politics). Sie verrät selten übergeordnete Ziele. Wir sehen immer wieder, daß sich die Politiker in kleinlichen Streitigkeiten um Macht verlieren und die Zeit mit Nichtigkeiten vertun, anstatt der großen Perspektive zu folgen: Die Wüsten wachsen, die Wälder schwinden, Wassermangel droht bald überall, die Menschheit vermehrt sich rasant. Wer handelt und wer betreibt Vorsorge? Nach wissenschaftlicher Prognostik erwarten uns sehr schwere Zeiten: Hunger, Umweltflüchtlinge, Völkerwanderungen, Revolutionen, Kriege, das Aussterben der Arten, die Erwärmung der Erdtemperatur, weite Überschwemmungen der Küsten, Gewächshauseffekt und Ozonloch sind die Stichworte der bevorstehenden Krisen.

Was bedeutet dies alles, wenn wir es uns realistisch vorstellen? In einer Welt, wo es schon jetzt pro Tag mehr als 400 000 Umweltflüchtlinge gibt, bedeutet es z.B., daß noch mehr Menschen aus Gebieten fliehen werden, wo die Wüsten wachsen, wo der Wald stirbt und Wassermangel auftritt, wo Trockenheiten und Dürren eintreten (z.B. der Mittelwesten von Nordamerika, Nordostbrasilien, Mittelindien, Sahara, Tibet, Bangladesch etc.). Wenn nun alle Meere ansteigen, werden auch noch weltweit die Küstenbewohner der dicht besiedelten Hafenstädte fliehen. Und wohin? In immer kleiner werdende Restflächen, wo schon jetzt zu viele Menschen leben und die Gebiete zum Anbau von Nahrung knapp sind. Das Wasser ist vergiftet, ausgelaugt, übernutzt, überdüngt und von Pestiziden vergiftet! Die Flüsse haben keine Selbstreinigungskraft mehr, da sie begradigt wurden und ohne freien Schwung nicht mehr in die Breite, sondern in die Tiefe mäandrieren, sie sind mit über 500 schädlichen Informationen belastet und drohen auszutrocknen. Das Grundwasser senkt sich ab und Felder trocknen aus, die zuvor noch fruchtbar waren.

Das muß auch im Zusammenhang mit der wachsenden Bevölkerung und den wachsenden Städten gesehen werden, bzw. der wachsenden Industriewirtschaft, die zu viel Wasser in die Städte abtransportiert. Man vergißt leicht, daß auch in Deutschland, einem Land, wo es viel regnet, drei aufeinanderfolgende trockene Sommer das sandreiche Brandenburg fast in die Trockenkatastrophe gebracht hätten.

Sandra Postel vom World Watch Institute in Washington D.C. postuliert ebenso wie schon 50 Jahre zuvor in Deutschland Alwin Seifert und Hermann Mattern, daß wir in eine zukünftige Welt mit Wassermangel gehen werden und daß die Gefahr von Kriegen um Wasser drohen wird, wenn die Menschheit nicht ihre Bewirtschaftungsformen des Landes und die industrielle Produktion einschließlich der Kultur und der Lebensinhalte ändern werden!

Alle Wissenden postulieren eine durchgehende Transformation aller Kulturen, Gesellschaften und Zivilisationen der Erde, wenn wir die Erde retten und hier überleben wollen. Die Erde mit allen Lebewesen muß geheilt und zu einer "ganzheitlicheren, integraleren, bewußteren, liebevolleren Gesellschaft" emporgehoben, transformiert und entwickelt werden. Der Mensch zerstörte die Erde bisher. Wichtigste Voraussetzung ist nun, daß er selbst gereinigt, geheilt und in eine höhere Bewußtseinsstufe hinein transformiert wird, um die Erde zu heilen, zu erhalten und zu rekultivieren. Auch wenn all die Umweltprobleme nicht eintreten würden, so nimmt doch die Bevölkerung weltweit so stark zu, daß wir diese nicht ernähren können, weil das Fruchtbarmachen neuer Gelände und die Intensivierung der Ernten viel länger dauert als der rapide Bevölkerungsanstieg. Dies alles erfüllt einen normal denkenden Menschen mit großer Angst. Der gegenwärtige Weltzustand ist einmalig in der Geschichte und noch niemals dagewesen.

Es ist somit kein Wunder, daß sich Weltuntergangsängste und Szenarien von Apokalypsen in unterschiedlichen Varianten verbreiten und sich mit der uralten religiösen Prognostik mischen. Vor allem im christlichen Abendland wird in religiösen Kreisen die Endzeit, die Wiederkunft Christi, erwartet. Doch auch im Brahmanismus, bei den Indianervölkern oder im Hinduismus gibt es uralte Mythen und immer wiederkehrende Vorstellungen darüber, daß derartige "Endzeiten", Erdrevolutionen, wie der geologische Ausdruck dafür ist, kurz bevorstehen.

Angst vor einer möglichen Endzeit macht die Menschen jedoch hoffnungslos. Psychologisch betrachtet regt sie dazu an, das aktive Handeln nicht mehr für lohnenswert zu erachten und sich vorwiegend mit der individuellen Erlösung und Heilserwartung zu beschäftigen. Sind die sich seit 1980 rapide verbreitenden „New Age = Neues Zeitalter“-Bewegungen so zu erklären?

Besonders ernst zu nehmende Krisenmodelle entstehen bei Ökologen und Wissenschaftlern. Bisher hatte der abendländische Wissenschaftler Modelle der langsamen Evolution bevorzugt. Doch jüngste Eiskernbohrungen ergaben Beweise für die als mythisch und überholt geltenden Theorien, die besagen, daß derartige "weltuntergangsähnliche" Krisenzeiten mit großen Überschwemmungen, folgenden raschen Warm- oder Kaltperioden, der Wechsel von Eiszeitzyklen mit dem Absterben von Pflanzen, Tier- und Menschenpopulationen tatsächlich mehrfach in der Erdgeschichte stattgefunden haben und sich plötzlich und kumulativ steigernd, wie unvorhergesehen, ereigneten. Evolution erweist sich nun doch nicht als gradlinig und langsam, sondern in gewissen Zeitzyklen als sprunghaft, schnell und radikal.

Dies führte in einem erweiterten Sinne zu einer verschärften Angst und einer bewußteren Krisenwahrnehmung. Nun sind es nicht mehr die Gläubigen aus dem religiösen Lager, sondern harte, in den Augen der Spiritualisten viel zu materialistische Wissenschaftler, die mit einem jähen Klimawechsel und unausdenklich gefährlichen Übergangszeiten rechnen, wobei Wirbelstürme, Vulkanismus, ansteigender Meeresspiegel mit Küstenüberflutungen und Migrationen von großen Bevölkerungsteilen der Gesamtmenschheit auftreten werden und demzufolge mit möglichen Revolutionen und Unruhen innerhalb heute als gesichert geltender politischer Systeme bis zu weltweiten neuartigen Kriegen zu rechnen ist. Derartige Krisenszenarios aller Couleur werden mit Computern durchgespielt und in Videos und entsprechenden Filmen an die Öffentlichkeit gebracht. 

Die Wissenschaftler der Ökologie sind sich im klaren, daß die heute zu erwartenden Krisen von Menschen gemacht sind. Da wir durch eine einseitige Wissenschaft und Wirtschaft die Erde ausbeuten und zerstören, so wird argumentiert, muß die Menschheit jetzt selbst umkehren. Dies gilt vor allem für die hoch entwickelten industriellen Völker der reichen nordhemisphärischen Zivilisationen, die mit einem Sechzehntel der Weltbevölkerung zwei Drittel aller Rohstoffe ausbeuten. Es ist hierbei durchaus mit einer Totalzerstörung der Erde zu rechnen, weil sich mit einer Globalisierung der Wirtschaft dieser industrielle Lebensstil weltweit verbreitet und nachgemacht wird. Die Frage, in welcher Weise nun dieser industrielle, umweltzerstörende Wirtschafts- und Lebensstil transformiert werden kann, beschäftigt alle Wissenden. Die unterschiedlichsten Modelle werden dazu vorgeschlagen.

Die Globalisierung der Wirtschaft verschärft die internationale ökologische und wirtschaftliche Lage, denn Betriebe und Produktionsstätten wandern in Billiglohnländer ab, wo das Fehlen von Umweltschutzbestimmungen und geringere Arbeitslöhne die Produktionskosten senken, nun aber die Umweltzerstörung verstärken. Damit werden die Probleme nur verlagert und die Gesamtgefährdung der Biosphäre nimmt weltweit radikal-verschärft zu. Um dies zu verhindern, müßten internationales Recht und neue Schutzbestimmungen für den "Globalhaushalt Erde" eingesetzt werden.

 

Neue Perspektiven

Mit dem Fortschritt der Wissenschaften im 20. Jahrhundert setzten mehrfache, rasch aufeinander abfolgende Paradigmenwechsel ein. Diese helfen uns in einigen Bereichen, mit einem erweiterten Bewußtsein den Weltraum und die Geschichte der Menschheit mit neuen Augen zu betrachten. In der Astrophysik erkennen wir die Geburt und den Tod von Sonnensystemen, Galaxien und Milchstraßen. Immer neue Modelle über die Entwicklung des Kosmos entstehen.

Im wesentlichen stehen sich zwei radikal unterschiedliche Weltentstehungsmodelle gegenüber:

a) Auf der einen Seite argumentieren die Materialisten, die von einem Urknall, einer Explosion, ausgehen, in deren Folge sich alles vom Kleinsten zum Größten entwickelt hat, wobei am Ende der Entwicklungskette hochentwickelte Organismen wie der Mensch entstehen, der sogar "Geist" entwickelt, mit dem er wiederum Materie beeinflussen kann (nach Popper und Eccles). Der Geist erscheint sozusagen als Endprodukt der Evolution. Diese Theorie fragt nicht, woher diese erste Materie und Energie kam, die zur Explosion und Entfaltung führte.

b) Dieser heute vielfach vertretenen Theorie steht ein uraltes Erklärungsmodell gegenüber, das in einigen Grundvarianten in vielen Religionen und Mythen enthalten ist. Hier steht umgekehrt am Anfang der Geist als kreatives Prinzip, als Bewußtseinsmeer, als göttliche Essenz, als eine Art von unerkennbarem, alles umfassendem Wesen, aus dem die Urlebensenergie hervorgeht und durch mannigfache feinere Schwingungen mit hoher Vibration sich langsam über Resonanzstufen in das Stoffliche hineinverdichtet, dabei abkühlt, langsamere Schwingungen (Frequenzen) erfährt und emaniert bzw. kristallisiert. Im untersten Bereich werden meist vier Aggregatzustände erkannt: Gase, Plasma, Flüssigkeiten und Feststoffe. So entwickelt sich im Vulkanismus aus dem Feuer bei der Abkühlung Gestein, und bei weiterem Zerfall und Einfluß von Wasser und Luft entsteht Erde.

Nach dieser Theorie erscheinen daher auch Lebewesen, Pflanzen, Tiere und Menschen zuerst in einem feinerstofflichen Zustand und verdichten sich im Laufe der Zeit. Daher sind die ersten auf der Erde erscheinenden Lebewesen in den frühesten Kulturen zuerst feinerstofflich, weil sich ebenso der Kosmos erst aus dem feinerstofflichen Medium heraus emaniert.

Was bedeutet nun diese Feinerstofflichkeit? In den religiösen Überlieferungen vieler Völker gibt es die feinenergetische Lebenskraft. Im Indischen wird sie Prana genannt, im Chinesischen Chi, im europäischen Kulturkreis Äther bzw. Astral- oder Mentalbereich. Begriffe wie Od oder Orgon (nach Wilhelm Reich) tauchen auf. In den alten uns bekannten Religionen werden diese Bereiche in 5, 7, 9 oder 12 Sphären aufgeteilt. Nach alter ägyptischer Lehre sollen es über 144 feinerstoffliche Sphären sein, aus dem der Kosmos über den vier Aggregatzuständen der Materie aufgebaut ist, und aus deren höchster und feinster Sphäre die göttliche Lebenskraft emaniert und durch alle Schwingungssphären moduliert, um sich schließlich ebenfalls im untersten Bereich der Bewußtseinssphären zu verdichten und als Lebensessenzen, -säfte und -strahlungen in die Luft, den Magnetismus, das Wasser, das Blut etc. einzugehen. Diese Lebenssäfte sind Medien und bilden Lebensfelder, durch welche in Wechselwirkung mit Keimen, Genen, Bionen - oder welche Ausdrucksweisen auch immer von Wissenschaftlern gewählt werden - letztendlich irdisches Leben entsteht. Die Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts halten diese Theorien für unbewiesen. Mit der Etablierung der Lehre von Albert Einstein wurde die feinerstoffliche Sphäre des Äthers, die sich oberhalb der Gase befindet, eliminiert.

Doch im Rahmen des Paradigmenwechsels der Wissenschaften wurde durch die Hochfrequenzphotographie die strahlende feinerstoffliche Sphäre um Lebewesen wieder sichtbar gemacht. Ebenso werden in der Biophotonenforschung und vielen weiteren Bereichen Zusammenhänge zu den alten Glaubenslehren hergestellt.

Die Kosmogonien aus dem zweiten der genannten Modelle beginnen daher häufig mit dem Beginn der Schöpfung aus Gott als einem geisterfüllten Lebewesen, aus dem sich alles entwickelt und entfaltet. Paul Dirac, ein moderner, noch nicht widerlegter Physiker, konzipierte ein Spiralmodell der Entwicklung aus dem Geist bis in die Materialisation und wieder zurück hinein in den Ursprung des Geistes. Es entsteht eine Pendelbewegung in langen Zeitzyklen, vergleichbar dem Ein- und Ausatmen der Evolution oder Schöpfung. Auch andere Physiker wie David Bohm mit seiner "eingefalteten Ordnung" folgen ähnlichen Annahmen. Diese Vorstellungen sind nicht weit entfernt von den Weltentstehungsmodellen in so manch einer animistischen Kosmologie oder etwa in den vedischen Sanskrit-Schriften.

 

Die Ursachen der Krisen

Hier taucht die Frage auf, die sich auch viele moderne Ökologen stellen: Wenn der Mensch hier auf Erden Krisen hervorruft, die die ganze Erde gefährden und zum Kollaps bringen, könnte er das nicht auch schon in früheren Kulturen getan haben? Sind Eiszeiten eventuell menschverursachte Krisen?

Speziell in der "Mythenforschung" finden wir diese Fragestellungen: Sind Mythen etwa doch auf Wahrheit beruhende Darstellungen und nicht nur Märchen, wie viele meinten? Stimmen daher die Sagen von Atlantis und Lemuria? Gab es schon vor der Eiszeit hochzivilisierte Kulturen? Stimmen die in vielen esoterischen Lehren enthaltenen Behauptungen, daß die Menschen von anderen Sternen hierherkamen, so von den Plejaden, dem Arkturus, der Wega, der Lyra, dem Sirius und vielen weiteren Planeten und Galaxien? Wenn es so wäre, würden sich die unterschiedlichen Rassen und Völker auf Erden und die Fragen nach dem wahren Ursprung derselben womöglich besser erklären lassen als bisher.

Die moderne Ökologie muß sich mit den Langzeitzyklen beschäftigen: Gibt es rhythmische Eiszeiten durch Erdachsenverlagerungen und Erdklimawechsel und warum? Oder sind die Ursachen derartiger Krisen, die ein Zeitalter beenden und ein völlig neuartiges heraufbeschwören, durch äußere Einwirkungen wie das Auftreffen von Planetoiden und Kometen zu erklären? Es verschärft sich also gegenwärtig die Frage nach den wahren Ursachen der Krisen. Sind es Naturgesetze, rhythmische Erdachsenverlagerungen, Magnetpolumkehrungen oder äußere Einflüsse wie der Aufprall von Planetoiden oder Kometen? Oder handelt es sich um menschliche Selbstverschuldung, die durch die kurzsichtige Anwendung wissenschaftlich ungeprüfter Technologien hervorgerufen wurde? Allenthalben wird die verdrängte Frage danach, ob es auch schon in früheren Perioden Selbstverschuldung durch technisch hochentwickelte Zivilisationen gab, wieder ernsthaft diskutiert.

Ebenso muß der Gefährlichkeitsgrad der Krisen und der ökologischen Vergiftung eingeschätzt werden.

Heutiges wissenschaftliches Arbeiten geht in vielen Einzeldisziplinen, die getrennt voneinander sind, linearen, nicht integrierten Forschungsergebnissen nach. Die Welt wird in a-biotische und biotische Grundlagen des Stoffes getrennt. Ökologische Wissenschaften erfordern jedoch wie in der Ganzheitsmedizin des Menschen als Voraussetzung zur Lösung von Detailfragen ein Verständnis vom ganzen Menschen, auf den sich Einzelfunktionen beziehen.

Das gleiche trifft auf die "Ökologie der Erde" zu, und man muß die Frage stellen: Ist diese Erde nun ein lebendig organisiertes System, das wie ein Lebewesen reagiert, oder ist es ein Lebewesen mit vielen integrierten Lebewesen in Lebensgemeinschaften und welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Menschengemeinschaften?

Für die Ökologie der Erde ist es auch wichtig zu wissen: Was bedeutet das Sonnensystem als Ganzheit? Welches Glied ist das Sonnensystem in einer Galaxie und diese in einem Galaxienverbund? Was ist der Kosmos selbst? Sind dies alles Systeme, die wie Lebewesen funktionieren, sind sie selbst Lebewesen oder alle zusammen Glieder wie Organe in einem übergroßen Superorganismus?

Wissenschaftler wie Ilya Prigogine und Erich Jantsch, die sich dem Prinzip der Selbstorganisation annähern, und Humberto Maturana und Francisco Varela, die hier weiterforschen, bis hin zu den Entwicklungen von Linn Margulis und James Lovelock, die die Erde wirklich wie ein großes Lebewesen betrachten, stehen dennoch den offiziellen Wissenschaften gegenüber allein. Diese wollen und können noch nicht nachvollziehen, daß die Erde, Sternensysteme oder gar der gesamte Kosmos ein Lebewesen sein könnte, so wie es in den alten tradierten Kosmogonien häufig vorgestellt wird.

Für die Fragestellung der gegenwärtigen Ökologie sind diese Antworten jedoch äußerst wichtig, weil es logisch ist, daß man mit toter Materie lieblos und gefühlskalt und ausbeuterisch umgeht, während man lebendiges Leben sehr viel behutsamer, vorsichtiger, sensitiver und liebevoller hegt und pflegt. Leben ist liebevoll zu behandeln! Heute werden wissenschaftlich Belastungsgrenzen und Grenzwerte zum Schutze der Gewässer, Lüfte, der Erde und Biosphäre gesetzt, aufgrund der Annahme, daß unsere Umwelt aus toter Materie und Gasen besteht. Doch wir vermuten, daß diese Belastungsannahmen und Grenzwerte neu und behutsamer definiert werden müssen, wenn wir berücksichtigen wollen, daß dies wirklich alles "Lebewesen" sind.

Eine Fülle von wissenschaftlichen Arbeitsansätzen müssen wieder einbezogen und neuartig bewertet werden, wenn diese Grundlagen anerkannt werden. Daraus folgt eine völlig neuartige Lehre der Biologie, Ökologie und Medizin. Die hier vorgestellten Grundlagen und Vorstellungen verbinden die Menschen und Berufsgruppen, die in den einzelnen Bereichen des Lotus zusammenwirken, um die Krisen mit diesem lebendigen Wissen zu lösen, das Wissen zu integrieren und handlungsorientierte positive Modelle zur Lösung der anstehenden Konflikte und Aufgaben bereitzustellen.

Die langfristigen Zyklen der Erdentwicklung oder das, was wir als Krisen oder Endzeiten betrachten, können unter diesen Voraussetzungen als Wachstumsphasen, als Teilungsvorgänge, als Aus- oder Einstülpungen, Sprossungen oder weitere Entwicklungsphasen in einem Organismus aufgefaßt werden, und menschlich-zivilisatorische Umwelteinflüsse müßten behutsamer auf diese Lebensvorgänge abgestimmt werden als bisher.

Viele indische Mythen und Epen reichen viele Jahrtausende in die Vergangenheit zurück, wurden aber erst im 3. und 2. Jahrtausend vor Chr. schriftlich fixiert. In der Sanskritliteratur, die mit dem Satapatha-Brahmana beginnt, wird das Ende eines Yuga beschrieben, wo eine Flamme aus dem Mund einer Wesenheit namens Mahadeva schießen wird und aus dem dritten Auge sieben unbarmherzige Strahlen der Sonne den Untergang eines Zeitalters bereiten.

Hier sind deutlich "Wesenheiten", von denen die Handlung ausgeht, beschrieben. Auch in jüdischen Sagen wird die Sonne dort aufgehen, wo sie heute untergeht und ihren Lauf und damit die Schöpfung ändern. Kaum mit großem Unterschied werden bei den Indianervölkern gleichlautende Mythen tradiert.

Vielfach wird eine gewundene Spirale und der Verlauf der Rotationsänderung der Erde beschrieben (genaue Angaben in: „Und die Sintflut gab es doch. Vom Mythos zur historischen Wahrheit“ von Alexander und Edith Tollmann, Droemersche Verlagsbuchhandlung 1993).

Aufgrund gegenwärtiger Wissenschaft und Technik gelang es dem Menschen, den Mond zu besuchen. Weltraumphotos machen die Erde als Einheit nachvollziehbar. Ein neues Bewußtsein von der Erde als Organismus entsteht.

Es soll der Mars besucht oder wiederbegrünt werden. Viele Mythen über frühere Besuche von Außerirdischen und einem belebten Weltall werden wiederentdeckt. Die Möglichkeit, daß uns Außerirdische besuchen und beraten oder unsere Kultur und Entwicklung beeinflussen, wird ernst genommen. Ob es nun visionäre Erfahrungen über die Zukunft sind oder Erinnerungen an eine entfernte Vergangenheit, die wiederbelebt wird, ob Science-Art, Fiction oder Fact,das kosmische Bewußtsein des Menschen entwickelt sich schnell. Ob es nun Träume, Hoffnungen oder neue Motivationen sind, immer neue Bücher erscheinen, die die Geschichte des Kosmos und außerirdischer Zivilisationen schildern und uns mitteilen, wie die wahre Geschichte der Menschheit nun gewesen sei: eine Besiedlungsgeschichte der Erde von Außerirdischen in großen Etappen. Ein neues Weltbild mit einer Erinnerung an frühere Mythen, an esoterische Welterklärungen entsteht, das voller Hoffnungen ist, daß die jetzige Krise mit Hilfe des außerirdischen Wissens angereichert und auf eine höhere Stufe des Bewußtseins, des Wissens und der Technik angehoben werden kann. Dadurch könnten dann die realen selbstverursachten Krisen gemeistert werden. Dieses Weltbild bildet psychisch einen hoffnungsfreudigen Gegenpol zu den "apokalyptischen Weltuntergangsängsten". Zur Lösung der heute bestehenden Krisen und Aufgaben muß eine tiefere Hinterfragung, eine Klärung der Ursachen und eine "Zielfindung" vorausgehen: Woher kommt der Mensch? Wohin geht er? Wie war sein Ursprung, seine Vergangenheit, und wie wird seine Zukunft sein? Ohne eine langfristige Vision für die Menschheits- und Gesellschaftsentwicklung wird es keine genügende Motivation zum Handeln geben.

Ohne Beantwortung dieser umfassenden Fragen kann keine Antwort zur Lösung der Krisen gefunden werden, die den Menschen zum vertieften Forschen und damit zur Lösung schwieriger Aufgaben bringen wird.

 

Paradigmenwechsel

Der Paradigmenwechsel der Wissenschaften im 20. Jahrhundert ist die Grundlage für die Forschungs- und Arbeitsentwicklung aller Bereiche im Verbund Lotus.

Wie stellt sich der bisherige dramatische Paradigmenwechsel in den Wissenschaften des 20. Jahrhunderts in einem kurz aufeinanderfolgenden Wechsel der Weltbilder dar? Es ist anzunehmen, daß die neuen Paradigmen in sich selbst noch nicht abgeschlossen sind und einen Entwicklungsprozeß darstellen. Folgende Grunderkenntnisse spielen in diesem Prozeß eine Rolle:

a) Materie wird nicht mehr als fest aufgefaßt, sondern ist eine Umwandlungsform der Energie (Einstein). Materie ist daher ebenso ein Schwingungsfeld von Energie, die sich unter den Bedingungen von Temperatur- und Druckveränderungen verdichtet. Materie besteht daher in einer höheren und feineren Schwingungszustandsform als "Geist". Der alte Gegensatz von Natur und Geist wird aufgehoben.

b) Der Kosmos baut durchgehend auf Schwingungs-Resonanzfeldern auf. Bei Schwingungsmodulationen von schnellen zu langsamen Resonanzfeldern (sich zueinander verhaltend wie Oktaven in der Musiklehre) kommt es im untersten und langsamsten Bereich zur Bildung der untersten uns heute bekannten Aggregatzustände der Materie, wo gegenwärtige Wissenschaftler meist ihren Forschungsschwerpunkt ansiedeln.

b1) Es verändert sich das Verständnis zwischen Teil und Ganzem. Bisher glaubte man, daß jedes noch so komplexe System im Prinzip vollständig verstanden und auf seine elementaren Teile reduziert werden kann und nach Mechanismen von Wechselwirkungen arbeitet.

b2) Diese reduktionistische Grundhaltung in den abendländischen Wissenschaften geht weitgehend auf Demokrit zurück. Im 17. Jahrhundert wurde sie durch Descartes und Newton wieder aufgegriffen und neu formuliert: "Die Dynamik des Ganzen wird durch die Wirkungsweisen seiner Teile bestimmt."

b3) Das Aneinanderreihen von Teilen nach Reihen, Vierecken oder geometrischen Mustern in der Raumordnung wurde von dem Architekten der Berliner Philharmonie, Hans Scharoun, im 20. Jahrhundert als additives Summationsdenken klassifiziert und als die Grundstruktur von bis dahin gültigen Bewußseinsprozessen im Denkvorgang erklärt, als ein gültiges Ordnungsschema menschlichen Gewohnheitsdenkens. Dieses Denken bedeutet, daß das Quadrat als Ausdrucksform des Bewußtseins Gefühle und Lebensprozesse überlagert, einengt und am lebendigen Ausdruck hindert. Dieses Denken wirkt durch geometrische Raumformen oder Koordinatensysteme auf den lebendigen Bewußtseinsprozeß ein. So wirkt der viereckige Raum, ebenso wie die Pyramide, als geometrische Bewußtseinsstruktur auf den Lebensprozeß wie ein Gefängnis. Die Psyche entwickelt als Reaktion Angst, Zorn und den Wunsch, aus diesem Gefängnis auszubrechen, der sich in Aggressionen äußert.

Feste Formen und Strukturen, ebenso die Kanalisierung der Flüsse, verhindern das freie pendelnde oder spiralige Fließen von Wasser oder Lebensenergie. Die natürlichen Fließenergien bilden Verzweigungen und Bäume mit Spiralbewegungen - Formen, die immer wieder im Wasserlauf oder im Pflanzenwachstum auftreten.

c) Im neuen Paradigma wird das Verhältnis zwischen den Teilen und dem Ganzen umgekehrt. Die Teile werden durch die Dynamik des Ganzen bestimmt. Damit wird das, was wir vorher Teile, Grundbausteine oder Elemente nannten, aufgelöst und nicht durch sich selbst, sondern durch das Muster des Ganzen bestimmt. Das Ganze wird zu einer Gestalt, diese besitzt Eigenschaften und ein Wesen, folglich muß es ein Organismus oder ein Lebewesen sein. Das Ganze kann niemals leblose Materie sein, weil Materie niemals ein Ganzes, sondern nur Teil in einem größeren Ganzen sein kann. Der Ganzheitsbegriff ist daher bisher ohne das, was ihm wesentlich ist, definiert und somit ungenau. Das Ganze ist ohne Gestalt nicht vorstellbar, also muß dieses ein Organismus sein. Der Ganzheitsbegriff und der Gestaltbegriff müssen neu definiert werden.

d) Erkenntnisse derartiger Zusammenhänge bewegten die Forscher des Lebendigen wie Scharoun und Schauberger. So kommt Viktor Schauberger auch zu dem Schluß, daß Wasser selbst ein lebendiges Wesen ist.

e) Vorstellungen dieser Art gingen auch in die Systemtheorie ein. Wenn auch nicht durchgängig als Leben definiert, ging die veränderte Grundvorstellung als Relation von Teil und Ganzem in die Quantenphysik ein (Werner Heisenberg in seiner Autobiographie: „Der Teil und das Ganze“).

f) Die folgende große Veränderung in der Betrachtungsweise begann zuerst mit einer Verschiebung von der sich statisch manifestierenden Struktur zum Prozeß. Formen, die wir als Lebewesen betrachten, werden zu flexiblen, d.h. wachsenden Manifestationen darunterliegender Prozesse. Daraus entwickelte sich eine "neue Systemtheorie des Lebens".

g) Systemdenken wird daher zum Prozeßdenken. Ilya Prigogine, einer der Hauptdenker dieser neuen Richtung, gab seinem Hauptwerk den Titel Vom Sein zum Werden.

h) Der mutmaßlich radikalste Aspekt betrifft die Gewohnheit, "Wissen als ein Gedankengebäude", daher als eine statisch bestimmte Architektur, aufzufassen. 200 Jahre glaubte man, daß das Wissen auf Fundamenten zu stehen habe, und man suchte überall nach den Grundbausteinen der Materie sowie nach fundamentalen Gleichungen und Konstanten. Heisenberg schrieb, daß die Fundamente der Physik und Naturwissenschaften in Bewegung geraten seien.

i) Das Konzept des Gedankengebäudes wird durch das des "Netzwerkes" ersetzt. Dieser sich vor allem in der Lehre der Ökologie und Biologie durchsetzende Begriff reichte jedoch nicht aus. Es handelt sich um Stoffwechselprozesse, Metabolismen, Kreisläufe mit chemischen und energetischen Umsätzen, und die Vorstellung vom Netz verleitet immer noch zu statischen Assoziationen, weshalb man schrittweise zur Vorstellung wachsender und lebender Netze überging (siehe F. Capra in seinem jüngsten Buch „Lebensnetz“). In den Wissenschaften selber erfolgten dramatische begriffliche Umstürze.

j) In dieses sich verwandelnde begriffliche Denken gehört auch die Bootstrap-Theorie von Geoffrey Chew. Dieser Ansatz fragt in der Natur vorrangig nach dem Prinzip der Gesamtübereinstimmung aller Geschehnisse, wobei durch diese die Eigenschaften der Teile bestimmt werden. Die Vorstellungen über die Wirkungsweisen im Universum verdichten sich immer mehr zu einem lebendigen Gewebe miteinander verbundener Geschehnisse.

Keine der Eigenschaften irgendeines Teiles des Gewebes ist fundamental, alle ergeben sich aus Eigenschaften anderer Teile und aus der folgerichtigen Gesamtübereinstimmung der jeweiligen Wechselwirkungen.

Immer mehr geht es um ein verknüpftes nichtlineares Netzwerk von Begriffen, Energien oder Prozessen, wobei keines fundamentaler als das andere ist. Im Laufe der Formulierungen vom großen umfassenden Ganzen zum kleineren darinliegenden Moment - das Teil wird so zu einem Raum-Zeit-Moment von Aktionen - werden detaillierte Formulierungen klarer und präziser und kristallieren sich.

k) Fritjof Capra kann sich zukünftige Wissenschaften durchaus noch als ein Mosaik von ineinander übergreifenden Theorien und Modellen vorstellen. Dennoch müßten alle Modelle miteinander übereinstimmen.

l) Diesen Vorstellungsverlauf halten wir jedoch schon begrifflich für unlogisch, weil das Mosaik der Ausdruck für Teile eines ehemaligen Ganzen ist und dessen Zerstörung markiert und nicht mehr den Fluß des Lebendigen als Untergrund hervorhebt. Allen Beteiligten des Lotus-Verbundes geht es darum, die konventionellen Abgrenzungen zwischen Disziplinen zu überwinden. Es geht letztlich darum, ein umfassendes Bild ganzheitlicher Zukunftsentwicklungen zu zeichnen, um die dynamische Natur der Wirklichkeit erfahrbar zu machen und als Einheit des Zusammenfließens und -wirkens zu erkennen. Nur auf dieser Basis kann die Erde als lebenerzeugende Einheit begriffen, erhalten, bewahrt und gepflegt werden.

m) Bei unserer Vorgehensweise in der Strukturierung des Verbundes sowie der einzelnen Arbeitsbereiche dient als Metapher das Hologramm, denn in einem solchen kann jedes kleinste Teil herausgenommen werden, und sofort erscheint das ganze Hologramm wieder in einem räumlichen Bilde. Ein derartiger Wissenschaftsaufbau als Grundlage von Erkennen, Lernen und Handeln führt zu einer Neustrukturierung der Wissenschaften und der daraus folgenden Handlungsstrategien. Auf dieser Grundlage erfolgt eine lebendige Strukturierung der Wissenschaften sowie eine neue Konzeption einer ganzheitlichen Universität.
 

Kontext der Zusammenhänge

Jedes noch so präzise herausgearbeitete Zukunftsbild wird von der Realitätsentwicklung überholt und im Prozeß ergänzt. Die Komplexität der Wirklichkeit übersteigt die Konzeptionskraft der Studie.

Mit jeder Betrachtung geht eine Systemänderung einher und das Bewußtseins- und Handlungsfeld modifiziert sich. Die Gestalt als Produkt der Gestaltungskräfte und ihre Prinzipien der Gestaltung sowie deren Inhalte und Funktionen basieren auf der Erforschung der Lebenssysteme im Feld der Ökologie. Wir gehen von der Ganzheitsbetrachtung aus, folgern vom größeren, umfassenderen Prinzip auf das kleinere darin liegende Prinzip. Der Kontext, d.i. der Wandel der Prozesse und deren Wesen im räumlichen Umfeld, bedeutet Co-Evolution. Die komplementäre Mitverwandlung von Inwelt und Umwelt in die Mitwelt kreiert ein dynamisches Aufeinanderbezogensein von Subjekt und Objekt im Handlungs- bzw. Lebensfeld. Das Subjekt distanziert sich nicht mehr im Sinne eines außenstehenden Beobachters, sondern ist Teil des "lebenden Systems". Hierin liegt der Unterschied zur herkömmlichen Systemtheorie, die noch die Subjekt-Objekt-Spaltung beinhaltet. Auch Gregory Bateson fragte in seinem Buch „Geist und Natur“: "Welches sind die Axiome, die einer Wissenschaft von lebenden, kommunizierenden und sich fortentwickelnden Systemen zugrundeliegen?" Wir kommen hier zu einer Grundsatzfrage: Kann der systemtheoretische Ansatz, den die Wissenschaften bisher verfolgen, ausreichen, um Leben zu beschreiben? Steht der Systemansatz nicht schon an der Basis im Widerspruch zum Wesen des Lebendigen? Alles Leben trägt Seele und Geist in sich, von denen nicht anzunehmen ist, daß sie sich in ihrem Wesen als System erklären lassen. Der Begriff des Systems entspricht einer formalisierten Denkstruktur und nicht den wesentlichen Eigenschaften des Lebendigen. Wir benötigen daher den höchst komplexen Phänomenen gegenüber eine vollständigere Erkenntnis, die vielschichtig multidimensional und nach den Kriterien der Gestalttheorie selber von Hierarchiestufe zu Hierarchiestufe ganzheitlicher und gleichzeitig einfacher werden muß, weil mit der Höhe der Gestalt die Einfachheit zunimmt. Wir empfinden einen Bedarf nach einem neuen, erweiterten Selbstverständnis, so daß wir uns durch den jeweiligen Stand der Wissenschaften nicht in festgefahrenen Denkschemen und Verhaltensmustern künstlich einengen lassen. Das neue stetig wachsende holistische Paradigma erschafft sich immer neu und bedarf der Überwindung bestehender weltanschaulicher Grenzen im Auffassungsvermögen vom Sinn der Welt.


© Merete Mattern

 

Anhang:

Der Lotus-Verbund

Der Lotus-Verbund setzt sich aus 12 Bereichen zusammen, die die verschiedenen Aufgaben einer ökologischen Heilung der Erde bewältigen. Alle diese Bereiche sind wie die Blütenblätter einer Blume - deshalb der Name Lotus - um ein Zentrum angeordnet, in dem sich der Weltfriedensgarten und der Ideen- und Finanzenpool befindet.

Die 12 Bereiche sind:
1. Aeon - zur Rettung gefährdeter Regionen, indem z. B. Wälder gepflanzt oder Feuchtgebiete angelegt werden.
2. Noah - ein Bereich, der akute Notfälle und Umweltkatastrophen aktiv in Angriff nimmt und schnelle Hilfe organisiert.
3. University-Network - neue Modellregionen benötigen neue Ausbildungsstätten und -modelle.
4. Harmony - dieser Bereich beschäftigt sich mit Grundlagenforschung auf wissenschaftlichen und medizinischen Gebieten und erforscht insbesondere harmonikale Strukturen.
5. Co-Sy (cosmic synergy) - Reisegruppen werden gebildet, die Krisengebiete oder ökologische Modellregionen besuchen, um dort zu helfen und Erfahrungen zu sammeln.
6. Reach - dies ist der interne Nachrichtentransfer zwischen den Gruppen mittels elektronischer Medien sowie die Beschaffung von Daten aus aller Welt, die für die Vorbereitung ökologischer Sanierungen gebraucht werden.
7. Come - bereits existierende ökologisch sinnvolle Produkte sollen in diesem Bereich vermarktet werden.
8. Cycle - Firmenverbund von ökologischen Firmen, die Ausbildung und finanzielle Hilfe organisieren.
9. Finder - hier geht es um die Entwicklung neuer Erfindungen und um Erfinderförderung.
10.  Medium - hier werden Informationen über die verschiedenen Projekte verbreitet, es entstehen Publikationen und Filme und die Urheberrechte werden verwaltet.
11.  Mature - Bauleute, Architekten, Landschaftsplaner arbeiten hier, um die ökologischen Modellregionen zu realisieren.
12.  Court - ein ökologischer Gerichtshof, der Staaten oder Konzernen, die die Umwelt schädigen, Mahnungen ausspricht oder eventuell sogar Strafen verhängt.

 

Literaturverzeichnis:

Bateson, Gregory: Geist und Natur. Eine notwendige Einheit, Suhrkamp, Frankfurt 1987

Bateson, Gregory: Ökologie des Geistes, Suhrkamp, Frankfurt 1980

Capra, Fritjof: Lebensnetz. Ein neues Verständnis der lebendigen Welt, Scherz, München 1996 

Chew, Geoffrey

Dirac, Paul 

Heisenberg, Werner: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik, Piper, München 1996

Jantsch, Erich: Die Selbstorganisation des Universums. Vom Urknall zum menschlichen Geist, Hanser, München 1992

Lovelock, James: Gaia. Die Erde ist ein Lebewesen, Heyne, München 1996

Lovelock, James: Das Gaia-Prinzip. Die Biographie unseres Planeten, Insel, Frankfurt 1993 

Maturana, Humberto / Varela, Francisco: Der Baum der Erkenntnis, Goldmann, München 1987 

Margulis, Lynn: Gaia, the Living Earth, Gespräch mit Fritjof Capra, in: The Elmwood Newsletter, Berkeley, CA, Bd. 5, Nr. 2, 1989. 

Margulis, Lynn / Sagan, Dorion: What ist Life?, New York 1995 

Popper, Karl / Eccles, John C.: Das Ich und sein Gehirn, Piper, München 1992

Prigogine, Ilya: Vom Sein zum Werden. Zeit und Komplexität in den Naturwissenschaften, Piper, München 1992

Prigogine, Ilya / Stengers, Isabelle: Dialog mit der Natur. Neue Wege naturwissenschaftlichen Denkens, Piper, München 1993

Scharoun, Hans: Vom Stadt-Wesen zum Architekt-Sein, Archibook, Berlin 1985

Tollmann, Alexander und Edith: Und die Sintflut gab es doch. Vom Mythos zur historischen Wahrheit, Droemersche Verlagsanstalt, München 1993

 

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